Experten endlich einig: einheitliche Empfehlungen zur Salzzufuhr

Ja, das wäre mal eine gute Meldung, nicht wahr? Aber leider entspricht das nicht der Realität. Nach wie vor stehen sich die Salzexperten in zwei Lagern gegenüber – und eine Annäherung der beiden Streit-Parteien ist nicht in Sicht.

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Eher im Gegenteil. Die Ergebnisse der Forschergruppe um Ludovic Trinquart, David Merritt Johns und Sandro Galeafein sind alles andere als belustigend. Kommen Forscher zum Ergebnis, dass wir zu viel Salz aufnehmen und eine hohe Salzzufuhr mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist, zitieren sie außergewöhnlich oft Untersuchungen, die die gleichen Ergebnisse hervorgebracht haben. Anders herum argumentieren die Kritiker von Salzreduktionskampagnen vorrangig mit wissenschaftlichen Ergebnissen, die ihre eigene These unterstützen.

Aus ihrer Betrachtung ziehen die Forscher bedenkliche Schlüsse: „Die Gräben sind tief: Während manche Forscher den Rat zu geringem Salzkonsum als die möglicherweise größte Täuschung in der Geschichte der Gesundheitsvorsorge bezeichnen, sehen andere darin eines der wichtigsten Präventionsziele überhaupt.“

Erst in dieser Woche gab die Deutsche Gesellschaft für Ernährung im Rahmen des DGE-Kongresses in Fulda eine Stellungnahme zum Thema heraus. Die ErnährungsUmschau titelt: „DGE-Stellungnahme: Brot, Fleisch, Wurst und Käse müssen weniger Speisesalz enthalten.“ Denn die deutschen Männer essen im Schnitt 10 Gramm und die Frauen 8,4 Gramm vom Bösewicht Salz. Schlichtweg zu viel, sagt die DGE. Sie empfiehlt eine maximale Aufnahme von 6 g Salz täglich und beruft sich dabei auf plausible Forschungsergebnisse. Prof. Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung sieht das anders: „Man kann auch mit Plausibilität auf dem Holzweg sein“, stichelt der Mediziner. Er kritisiert die Panikmache und rät grundsätzlich davon ab, einzelne Nahrungsbestandteile isoliert mit Krankheitsrisiken in Verbindung zu bringen.

Fakt ist, dass den Verbrauchern so permanent unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen werden, in dessen Folge sie selbst entscheiden müssen, welchen Stellungnahmen, Studien, Expertenmeinungen oder Presseberichten sie Vertrauen entgegen bringen. Keine leichte Aufgabe. Was also tun?

Eine Möglichkeit ist sicherlich, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und Aspekte wie Rauchen, Bewegung, Alkoholkonsum, Stress oder Krankheiten in der Familiengeschichte in die Gesamtbetrachtung mit einzubeziehen. Wer viel Sport treibt, kann sich womöglich mehr Salz einverleiben als ein Bewegungsmuffel. Auch im Sommer scheiden wir mehr Salz über die Haut aus als im Winter. Ein weiterer Faktor hängt mit der Lebensmittelqualität zusammen: Fastfood und Convenience Produkte enthalten oft erschreckende Mengen an Salz, ohne dass dies geschmacklich unbedingt auffällt. Das betrifft übrigens auch der Deutschen liebstes Lebensmittel, das Brot. Das eigene Salzen beim Kochen oder beim sonntäglichen Eiverzehr ist hingegen oft das geringere Übel in der täglichen Salzbilanz. Auf der anderen Seite nehmen Gemüseliebhaber und Sich-selbst-an-den-Herd-Steller häufiger Kalium-reiche Lebensmittel zu sich. Kalium indes ist ein Natrium-Gegenspieler und wirkt sich regulierend auf den Blutdruck aus.

Übrigens steht der Begriff Speisesalz für die Substanz Natriumchlorid. Natrium ist ein essenzieller Mineralstoff. Auch Natrium und Chlorid unterstützen die Regulation des Blutdrucks, kontrollieren den Flüssigkeitshaushalt und halten die richtigen Bedingungen für Muskel- und Nervenfunktionen aufrecht. Natrium fördert zudem die Aufnahme von Aminosäuren, den Grundbausteinen der Eiweiße.