Zu Recht abgewatscht: Mindcookies mit Hüftgold- statt Gute Laune-Potenzial

Die Höhle der Löwen ist eine wie ich finde gelungene StartUp-Show: hier können Gründer der Zukunft Investitionen für ihr noch junges Unternehmen einholen, um auf dem Markt bestehen und wachsen zu können. Alles was sie dafür tun müssen: die Jury um Frank Thelen, Judith Williams, Vural Öger, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer in einem guten Pitch überzeugen. Auf diese Weise wollte auch am vergangenen Dienstag das Ehepaar Dubenow 50.000 EUR erbeuten. Sie entwickelten die sogenannten MindCookies, die für gute Laune sorgen sollen. Was erst einmal interessant klingt, entpuppte sich jedoch schnell als ein äußerst fragwürdiges Investment Case.

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Besser: In den Hafervoll Flapjacks sind wenigstens nur natürliche Zutaten.

Es gibt 2 Varianten vom „Keks, der kickt“: einen „Cookie active“ zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung und einen „Cookie happy“ zur Stimmungsaufhellung. Die „hochwertigen Doppelkekse“ werden dabei von einem traditionellen Bäcker produziert. So weit, so interessant. Der Blick auf die Zutatenliste aber entzauberte schnell die anfängliche Faszination.

Denn ein wahres Sammelsurium an Inhaltsstoffen trat zum Vorschein, darunter Guarana, Dinkelmehl, viele verschiedene Kräuter, Senfmehl, Zimt, Safran und Schokolade. Hinzu kommen Magnesium, mehrere Vitamine und sogenannte Funktionsadditiva – was auch immer sich hinter diesem ungeschützten Begriff verbergen mag. Und gar nicht so gern lesen mag ich Zutaten wie Aroma, Fruktose und Maisstärke oder Maltodextrin. Doch nicht nur das: der MindCookie bringt auch gleich eine Kaloriendichte mit, bei der man schon mal locker auf das Mittagessen verzichten kann: ein Cookie enthält satte 151 kcal und 26% Zucker. Selbst Frank Thelen, sich selbst als Ernährungslaie bezeichnend, fasst es in einem Satz zusammen: „Die Kekse machen leider nicht nur happy, sondern auch fett.“ Die schlagfertigen Gründer aber haben dafür ein Argument gleich mit im Gepäck: in der heutigen stressigen Zeit kann man mit dem „mit Funktionsadditiven und Emotionen aufgeladenen“ Cookie ruhig auch mal seine Hauptmahlzeit kompensieren. Das kam nicht gut an. Ich würde es fast als frech bezeichnen. Auch die Investorin Judith Williams hält kurz und knackig fest: „Ein Produkt, das den Verbraucher in die Irre führt.“

Vom meiner Meinung nach auch zwischenmenschlich nicht sehr gelungenen Auftritt in der Höhle der Löwen lässt auch die Webseite der MindCookies tief blicken: hier gibt es Marketingsprüche neben den tatsächlich unfassbar langen Zutatenlisten, wie diese hier:

Zutaten (ausführlich) Nuss-Schoko-Creme 26% (Zucker, Palmfett, Haselnüsse 23%, Vollmilchpulver, Kakaopulver, Emulgator Rapslecithin, Aroma, Guaraná Extrakt (12% Koffein), Magnesiumoxid, Magnesiumcitrat, Fructose, Sonnenblumenöl, Seealgenmehl (Stabilisator Alginsäure), Ascorbinsäure, Maltodextrin, Trennmittel Siliciumdioxid, Maisstärke, Nicotinamid, Calcium-D-Pantothenat, Gewürze (Muskat, Basilikum, Beifuß, Koriander, Pfeffer, Senfmehl, Zimt, Safran), Riboflavin, Pyridoxinhydrochlorid, Thiaminhydrochlorid, Pteroylmonoglutaminsäure, Biotin, Cyanocobalamin), Dinkelmehl 17%, Zucker, Butterreinfett 14%, Weizenmehl 14%, Berberitzen 2%, Sonnenblumenkerne gemahlen 2%, Vierkornflocken gemahlen 2% (Hafer, Weizen, Roggen, Gerste), Salz, Backtriebmittel (Ammoniumhydrogencarbonat), Bourbon Vanille.

Auch die Nährwerte sprechen für sich:

Durchschnittliche Nährwerte pro 30 g (1 Keks) Energie: 653 kJ/ 156 kcal, Fett: 8,9 g, davon ges. Fettsäuren: 4,4 g, Kohlenhydrate: 16,8 g, davon Zucker: 9,7 g, Ballaststoffe 0,7 g, Eiweiß: 1,9 g, Salz, 0,09 g

Ich finde die Cookies daher – vorsichtig ausgedrückt – mehr als schwierig. Und auch wenn jeder nach seinem Gusto glücklich werden soll und die Geschmäcker verschieden sind: mit der Bezeichnung Cookie „active“ und Cookie „happy“ und einer an der Ehrlichkeit vorbei schrammenden Marketingstrategie wünsche ich den Gründern damit keinen Erfolg. Sorry.