Böse Transfettsäuren? Es gibt auch gute… (Teil 2)

Nachdem der mögliche schädliche Einfluss von Transfettsäuren auf unsere Gesundheit bereits beleuchtet wurde, soll es heute um die „guten“ Transfettsäuren gehen. Ja, die gibt es tatsächlich – auch wenn in den Medien selten davon berichtet wird.

milch-milchprodukte

Wo kommen die denn vor?

Die guten Transfette kommen ausschließlich in tierischen Produkten vor – vor allem in Milch, Milchprodukten und Fleisch. Die Gehalte unterscheiden sich dabei je nach Tierart. In Rindfleisch und aus Kuhmilch hergestellten Produkten ist der Anteil meist am höchsten. Da die meisten Wurstsorten aus Schwein und Geflügel hergestellt werden, ist das Vorkommen natürlicher Transfettsäuren hier entsprechend gering.

Auch variieren die Gehalte in Abhängigkeit der Fütterung. Während frisches Grünfutter und Ölsaaten einen hohen Gehalt an natürlichen Transfetten in der Milch zur Folge haben, wirken sich getrocknetes Heu und siliertes Getreide gar nicht bis negativ auf die Bildung natürlicher Transfettsäuren aus. Messungen zeigten auch, dass Joghurt ein sehr guter Lieferant ist – was vermutlich auf die Produktion durch bestimmte Bakterienkulturen zurückzuführen ist.

Und was passiert mit den natürlichen Transfetten?

Auch diese Fettsäuren werden in die Zellwände verschiedener Gewebe eingebaut. Im Gegensatz zu den industriell produzierten Transfetten wirken sich diese hier jedoch nicht negativ auf einzelne Funktionen und Aufgaben aus, sondern könnten sogar nützlich für uns sein. An Tieren konnten Forscher bereits gesundheitsfördernde Wirkungen bei gängigen Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes mellitus, Koronaren Herzerkrankungen und Krebs ausfindig machen.

Wie das?

In Tierstudien ließ sich beispielsweise ein deutlich anaboler (Körpersubstanz-aufbauender) Effekt eines natürlichen Vertreters der Transfette feststellen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um den Aufbau von Fettgewebe, wie jetzt einige denken mögen. Vielmehr zeigte sich bei den Versuchstieren eine Zunahme an Magermasse bei gleichzeitiger Abnahme der Fettzellengröße als auch -anzahl. Die Forscher vermuten einen Einfluss auf das Sättigungshormon Leptin. Die genauen Mechanismen sind bislang unbekannt. Ähnliches ergab sich in Versuchen an diabetischen Ratten. Bei einigen von ihnen konnte ein verbesserter Zuckerstoffwechsel beobachtet werden. Allerdings sind die Ergebnisse bislang sehr uneinheitlich.

In anderen Studien wiederum sank das „böse“ LDL-Cholesterin, was zu einem besseren Verhältnis von LDL- zu HDL-Cholesterin führte – ein wichtiger Risikomarker für Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch auch hier sind die Daten widersprüchlich. Zumindest aber schloss eine erste Übersichtsarbeit (Vergleich mehrerer Studien miteinander) eine schädliche Wirkung natürlicher Transfette auf das Herz-Kreislauf-System aus. Auch das wird in der Diskussion um Transfette gern außer Acht gelassen.

Schlussendlich gibt es erste Hinweise darauf, dass die natürlichen Vertreter in bestimmten Konzentrationen und Verhältnissen untereinander bei bestimmten Tumorerkrankungen wie Haut-, Dickdarm-, Magen-, Prostata- und Brustkrebs zu einer verminderten Tumorbildung beitragen können. Inwieweit sich das in Versuchen am Menschen bestätigen lässt, bleibt jedoch abzuwarten.

Was heißt das nun?

Auch wenn die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien nicht einheitlich bzw. eindeutig sind – und das werden diese vermutlich niemals sein – so ist eins klar: der Schwarz-Weiß-Blick auf die Thematik Transfettsäuren ist nicht zielführend. Einmal mehr wird deutlich, dass es auch innerhalb einer Substanzgruppe zu verschiedenen Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel kommen kann. Die vorschnelle Verbreitung über die Medien, dass alle Transfettsäuren schädlich für uns sind, ist nicht haltbar und kontraproduktiv.

Doch auch das andere Extrem ist zu kurz gedacht. Einige Lebensmittelproduzenten glaubten tatsächlich den Spieß umdrehen zu können und nun natürliche Transfettsäuren – wie in Alpenmilch – extra bewerben und mit dem Stempel „gesundheitsfördernd“ versehen zu können. Dem hat die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) allerdings schnell einen Riegel vorgeschoben.

Ich persönlich ziehe einmal mehr die Schlussfolgerung, dass natürliche Lebensmittel mit geringem Verarbeitungsgrad bessere Inhaltsstoffe zum Vorschein bringen, als hochtechnologisch vollbrachte Lebensmittelwerke. Und wie immer kommt es nicht auf ein Lebensmittel oder einzelne Inhaltsstoffe an, sondern auf das Zusammenspiel der Umweltbedingungen bei Anbau und Aufzucht sowie auf die Verarbeitung – und das von vielen Lebensmitteln.