Obst ist ungesund. Nein. Doch. Sicher?

Nein, sicher bin ich mir da nicht. Gibt es ein gesundheitsschädigendes Potenzial von Obst? Unter bestimmten Umständen vielleicht. Aber ist Obst per se ungesund? Wohl eher nicht. Wer den frechen Früchten den Schwarzen Peter zuschieben will, denkt zu kurz. DAS gesunde Lebensmittel gibt es zwar nicht, aber DAS ungesunde eben auch nicht. So manche Diskussion darüber ist überflüssig und engstirnig.DSC_0065-01

Dabei liegen die Argumente für die These, Obst sei gesund, schnell auf der Hand: es enthält viel Wasser, viele Ballaststoffe, einige Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und viele, viele sekundäre Pflanzenstoffe. Einige davon wirken antioxidativ und krebshemmend, andere immunstimulierend und antimikrobiell. Wiederum andere können den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflussen oder die Blutdruckregulation unterstützen. Was die Kaloriendichte anbetrifft, liegt Obst zudem im unteren Bereich. Fazit: hohe Nährstoffdichte, niedrige Kaloriendichte. So weit, so gut gesund.

Zahlreiche Diäten aber, insbesondere die wie Diätpillen aus dem Labor schießenden Online-Diäten (z.B. Mach dich krass, I make you sexy – 10 weeks body change), haben Obst eher auf der „Not-to-eat“-Liste. Argumente: zu viel Zucker, insbesondere zu viel Fruchtzucker. Das hemmt den Fettabbau, fördert den Appetit und begünstigt die Entwicklung einer Fettleber und hoher Blutfettwerte. Ja, wenn ich es von der Seite betrachte, stimmt das schon auch irgendwie. ABER: nur wenn die Balance mit aus Ernährung und Bewegung nicht so hinhaut.

Mit dem Zucker aus dem Obst ist es wie mit Kohlenhydraten aus Brot, Nudeln und Kartoffeln: das Verdauungsendprodukt heißt Zucker, der schießt schnell ins Blut und muss da auch schleunigst wieder weg. Das geht am besten über die Verbrennung zu Energie. Haben wir aber keinen Energiebedarf bzw. verbrauchen nicht genügend davon, wird Körperfett draus gebastelt. Und das Ganze ist auch noch eine Einbahnstraße – sprich, wir können aus dem Körperfett nicht wieder Zucker bilden. Schade eigentlich, sonst könnte sich der Körper selbst dopen, wäre glücklich dabei und würde auch noch abnehmen. Aber der Weg zu Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden ist keine Klassenfahrt. Und so kommt es, dass Obst für Abnehmwillige tatsächlich zur Abnehmfalle werden kann. Um das zu vermeiden, gibt es ein paar einfache, zu beherzigende Tipps:

  • wählt saisonales, regionales Obst und vorzugsweise alte Sorten (neuere Sorten weisen züchtungsbedingt meist einen höheren Zuckergehalt auf – wer sich für eine Zuckersteuer stark macht, müsste somit auch für mehr Steuern auf Obst eintreten)
  • Beeren und Zitrusfrüchte sind zuckerärmer als Banane, Ananas und Co.
  • Finger weg von Konserven und gezuckerten/ zuckerreichen Obstsäften
  • kombiniert Obst mit Eiweiß: mit Quark oder Joghurt (das entlastet den Insulin- und Zucker-Stoffwechsel und sättigt besser)
  • esst Obst möglichst im Ganzen (Apfel mit Schale, Orangen mit den weißen Häutchen, etc. – denn besonders darin stecken die gesundheitsfördernden Substanzen)
  • bewegt euch

Ja und klar, Ausnahmen bilden die Regel. Wer aber ernsthaft meint, keinen Sport machen zu müssen, um abzunehmen, der sollte wirklich auf Obst verzichten. Wer aber weiß, dass Sport viel mehr als eine reine Energieverbrennungsmaschinerie ist und sich regelmäßig auspowert, der kann auch (mal) beherzt zum Obst greifen. So zumindest halte ich es. An Sporttagen gibt es auch mal einen Mango-Lassi, einen Beerenshake oder eine Mascarponecreme mit Apfel und Sesam extra. An Nichtsporttagen hingegen halte ich mich eher zurück – angebotsbedingt im Winter noch mehr als im Sommer.

Bleibt noch das Argument mit dem Risikofaktor Fruktose für hohe Blutfettwerte und die nichtalkoholische Fettleber. Fruchtzucker aus Obst – also im natürlichen Verbund – ist vermutlich nicht so schädlich, wie der zugesetzte Fruchtzucker in Fertignahrungsmitteln und Müslis – insbesondere in Form des HFCS. Das wiederum würde die Annahme bestätigen, dass nicht bestimmte Nährstoffverhältnisse (allein) an Übergewicht, hohen Blutfettwerten und kranken Herzen schuld sind, sondern auch Menge und Häufigkeit an verzehrtem „high processed food“ (also hochverarbeiteten Nahrungsmitteln). Denn die technologische Fertigung bringt so viele Änderungen im Nährstoffgehalt und in der Molekülstruktur unseres Essens, dass wir noch gar nicht abschätzen können, was das mit unserer Gesundheit auf lange Sicht so anstellt.

Bevor ihr euch also mit dem Gesundheitswert einzelner Lebensmittel und -gruppen beschäftigt, kauft hochwertige Grundnahrungsmittel ein, bereitet daraus Appetitliches, Farbenfrohes und Schmackhaftes und genießt es.