Die 7 Arten von Hunger

Das Wort „Hunger“ kommt uns schneller über die Lippen, als wir darüber nachdenken können und jedes kleine Bauchgrummeln wird schon als solcher empfunden. Doch die Realität sieht anders aus: an jeder Ecke lauern kulinarische Manipulationen, die bei uns ein Scheingefühl des Hungers verursachen: den schier unbändigen Appetit.

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Appetit aber hat den bedeutenden Nachteil, dass er nicht auf ein körperliches, sondern meist auf ein seelisches Bedürfnis zurückzuführen ist. Seelische Bedürfnisse wiederum verbrennen keine Kalorien und wollen nur selten durch eine Schüssel Salat oder ein Glas Wasser gestillt werden. Nein, seelische Bedürfnisse lieben Zucker und Fett und am liebsten beides in Kombination. Wie praktisch, dass wir genau das an jeder Straßenecke auf einem Silbertablett serviert bekommen.

Dabei präsentiert sich uns das Gewand des Appetits in verschiedenen „Farben“ und jeder spricht auf die einzelnen Farben unterschiedlich stark an. Viele unter uns fallen gern mal dem Augenhunger zum Opfer. Der Augenhunger umfasst die Lust auf Essen, just in dem Moment, wenn wir es erblicken. Man denke nur an Hochglanz-Magazine mit den neuesten Trendgerichten oder die perfekte Kuchen- und Teilchenpräsentation in einer Bäckereiauslage. Hinter dem zweiten Gewand verbirgt sich der Nasenhunger – ein ähnlich pragmatisch daherkommender Appetit. Wer morgens an der Bäckerei oder abends am Hähnchengrill vorbei kommt, weiß, was ich meine. Der Duft uns schmackhafter Speisen sorgt für so manches Über-Bord-Werfen guter Vorsätze. Bei anderen wiederum springt der Mundhunger – eine dritte Appetitform – an, wenn sie nur an Essen denken. Besonders in diesem Sommer erlag so mancher dem bloßen Gedanken an eine große Portion Eis. Der Herzhunger wiederum steht für eine Appetitform, die sich am besten mit Erinnerungen an bestimmte Speisen erklären lässt. Was liebe ich doch bis heute Oma´s Kirschtüschel (wer nicht weiß, was sich dahinter verbirgt, der schaue hier) oder Mama´s Herzsuppe (ganz schlimm, ich weiß). Und dazu brauche ich keinen Hunger. Das geht immer.

Das sind alles Appetitformen, deren Reizen wir im Alltag oft erliegen. Nicht umsonst reiht sich in den Einkaufsstraßen ein Fastfood-Anbieter neben dem anderen. Irgendwie muss das ja lukrativ sein. Hier hilft nur fliehen, zu Hause bleiben, Augen und Nase verbinden oder sich vorher so richtig satt essen (und noch nicht mal das hilft immer). Dann aber gibt es noch eine Art von Appetit oder Hunger (ist nicht eindeutig definierbar), der wir nicht einfach entfliehen können und die sich in unserer heutigen Gesellschaft als durchaus problematisch entpuppt (hat): der emotionale Hunger. Emotionales Essen kann sowohl negativ als auch positiv besetzt sein. Die meisten denken jetzt vermutlich an Frust, Traurigkeit, Wut, Ohnmacht oder einfach nur Langeweile als „Essauslöser“. Das sind auch tatsächlich emotionale Zustände, die am häufigsten zum Essen verleiten. Aber auch Geburtstage, Familienfeste und geselliges Beisammensein sind ausgesprochen gut funktionierende Essenstreiber. Und sie alle haben eines gemeinsam: hier verleitet uns kein echter Hunger.

Als echten Hunger (oder was wir in unserer Gesellschaft als solchen noch bezeichnen können) bezeichnen wir nur 2 Situationen bzw. körperliche Zustände. Zum einen ist da das berühmte Loch im Bauch, das fast schmerzende Magenknurren, das uns eindeutig an die Futteraufnahme erinnern soll. Zwar streitet sich auch hier die Wissenschaft, denn einige behaupten, dass der Magenhunger nur ein „Reinigungszeichen“ des Körpers etwa 4-5 Stunden nach der Nahrungsaufnahme ist. Aber hey ganz ehrlich, wenn ich auf dieses Gefühl nicht reagiere, kann es passieren, dass ich eine halbe Stunde später zittere und auf meinem Stuhl unruhig hin und her wippe – typische Symptome einer Unterzuckerung. Klar kann man auch diese Reaktion des Körpers „wegtrainieren“, aber ich gehe jetzt mal davon aus, dass nicht jeder (stark) kohlenhydratreduziert essen will.

Der zweite körperliche Zustand, der uns Hunger signalisiert, ist der sogenannte Zellhunger. Dieser tritt eher selten auf und soll sich beispielsweise nach Operationen mit großem Blutverlust zeigen. Denn dann besteht wohl oft ein unbändiger Appetit auf eisenreiche Lebensmittel wie Fleisch. Hierzu fehlen mir allerdings eigene Erfahrungen. Was ich aber durchaus schon mal feststellen konnte, ist der Hunger auf Salziges und Fettiges nach einer durchzechten Nacht, in der der Blick ins Glas etwas zu lang und etwas zu tief war. Dieser Hunger steht für das Wiederauffüllen unserer Elektrolytspeicher, die durch den Alkoholabbau geschröpft wurden. Na, kommen Erinnerungen auf? Einen wissenschaftlichen Nachweis konnte ich hierfür leider nicht ausmachen.

Wer neugierig genug ist oder etwas ändern will, sollte sich die Gründe für die eigene Nahrungsaufnahme ruhig mal näher betrachten. Dazu reicht ein Blatt Papier: Tag, Uhrzeit und Lebensmittel aufschreiben und dann beim jeweiligen Appetit bzw. Hunger ein Kreuzchen machen. Diese kleine Dokumentation des Essverhaltens über ein paar Tage hält sicherlich die eine oder andere Überraschung parat.