Ich fühl mich ge“eustress“t. Und du? (Teil 2)

Es gibt viele Wege, Stresssituationen besser zu bewältigen und besonders stressige Phasen unbeschadet zu überstehen. Wie im Teil 1 bereits beschrieben, ist ein einfacher – wenn auf geduldserfordernder – Weg, mit Hilfe eines guten Selbstbildes gestärkt aus Stress- und Krisensituationen hervorzugehen. Das Selbstbild lässt sich kontinuierlich füttern, in dem wir ein paar kleine Dinge bzw. Sicht- und Verhaltensweisen in unseren Alltag einbauen.

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Das A und O: Bewegung

Bewegung ist eines der Schlüsselwörter für effektiven Stressabbau. Entgegen der Meinung vieler ist regelmäßige Bewegung nicht nur reines Kalorienverbrennen. Eine mäßige körperliche Anspannung führt zu einer effektiven psychischen Entspannung. Ausgenommen ist Leistungssport, der einen stressigen Zustand noch verschlimmern kann. Bewegung und Sport beugen Stressauswirkungen nicht nur vor, sondern können bestehende Beschwerden, die durch Stress ausgelöst wurden, abmildern und abfangen. So kann Schwimmen auftretende Gelenkbeschwerden entlasten, Joggen vermag Kopf- und Nackenschmerzen zu lindern und bereits Spazierengehen entlastet das Herz-Kreislauf-System. Aber niemand muss zum Marathonläufer werden. Wem die Zeit (vermeintlich) fehlt, der nehme sich wenigstens 7 Minuten am Tag und absolviere ein dem Stresspegel angepasstes Zirkeltraining, das man von Tag zu Tag variieren kann. Und nicht nur das: Wer sich regelmäßig bewegt, tut etwas für sich und stärkt damit auch das Selbstbewusstsein.

Entspannungstechniken

Eine weitere Möglichkeit des Stressabbaus sind Entspannungsmethoden. Hier gibt es je nach Typ verschiedene Techniken und Herangehensweisen. Für die einen ist es Yoga, für die anderen Qigong, Autogenes Training oder die Muskelrelaxation nach Jakobsen. Wer sich von den für vielen als „passiv“ empfundenen Entspannungstechniken nicht angesprochen fühlt, dem sei zusätzlich das Malen, Musikhören oder Fantasiereisen empfohlen. In aller Regel lässt sich für jeden Geschmack etwas finden. Am besten ihr befragt dazu Dr. Google. Mich hat eine gute Freundin von (dem zuvor von mir belächelten) Achtsamkeitstraining überzeugt. Ich kannte den Begriff bislang nur aus der Adipositastherapie und war dem Thema nicht sonderlich angetan – auch weil ich diese Herangehensweise nicht richtig „greifen“ konnte. Aber in ihrem Kurs lernte ich verschiedene Methoden des „Innehaltens“ und „Achtsam-Seins“ kennen, die bereits nach wenigen Wochen erste Wirkung zeigten. Ich bin inzwischen gelassener im Umgang mit anderen und nachsichtiger mit mir – 2 Dinge, die mir sonst extrem schwer fielen und mich unter Stress setzten. Außerdem werde ich mir meiner eigenen Bedürfnisse schneller bewusst, was auch meinem Selbstbild zugute kommt. Wie oft tun wir doch Dinge, die wir eigentlich nicht wollen, nur um jemandem einen Gefallen zu tun oder um Schwierigkeiten bzw. Ablehnung aus dem Weg zu gehen? Das Thema Achtsamkeit mag hier nicht für jeden das Richtige sein – aber nur wer es probiert, kann es beurteilen ;). Und wer es mag, erfährt später gern mehr dazu.

Reflexion und gute Gespräche

Von vielen sträflich vernachlässigt wird die Selbstreflexion, mit der wir bewusst negative Erlebnisse und Entwicklungen erkennen und frühzeitig ändern können. Wir sind vor allem gern eins: Meister der Fremdreflexion – den anderen die Schuld zuschieben und bei ihnen nach möglichen Fehlern suchen. Auch nutzen wir die Umstände gern als Argument für unser „Gestresst-Sein“. Im ersten Moment viel anstrengender (dafür aber langfristig wirkungsvoller) ist aber das Beantworten der Frage, was WIR SELBST ändern können – an unserer Herangehensweise, an unserem Denken, an unserem Verhalten und im Umgang mit uns selbst. Schließlich gelingt es in Gesprächen mit uns wichtigen Menschen am ehesten, neue Wege zu erkennen und zu gehen. Erst das Aussprechen von Sachverhalten oder der eigenen Meinung bringt Klarheit – zumal es uns allein kaum möglich ist, eine 360° Perspektive einzunehmen. Hier können uns Partner, Familie und Freunde gute Dienste leisten. Das füttert unser Selbstbild und erhöht unsere Resilienz.

Und natürlich nicht zu vergessen: gutes Essen!

Auch starkes Essen kann einen Beitrag zur Stressbewältigung leisten. Hierbei gibt es zwei Betrachtungsebenen: die Genussebene und die Nährstoffebene. Auf der Nährstoffebene heißt starkes Essen schlichtweg qualitativ hochwertige Nahrung – frisches Futter mit lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Substanzen, hochwertigen Fettsäuren und leicht verdaulichen Eiweißen; wenig verarbeitet und schonend zubereitet. Die wichtigsten Vertreter dieser Gattung sind

  • viele frische, bunte, saisonale und regionale Gemüse
  • dunkle Beerenfrüchte und Zitrusfrüchte
  • frische Pilze
  • ein paar Hülsenfrüchte
  • Nüsse und Samen
  • (fetter) Seefisch und
  • fermentierte Milchprodukte sowie
  • Kräuter und Gewürze aller Art.

Und die Genussebene? Diese besagt nichts anderes, als dass wir uns Zeit fürs Essen nehmen sollten. Denn starkes Essen entspannt – insbesondere in angenehmer gesellschaftlicher und kulinarischer Begleitung. Hierzu zählt ein gutes Glas Wein ebenso wie ein saftiges Steak. Jeder möge nach seinem Gusto satt und zufrieden werden. Also: Genießt und schätzt euer Essen, dann werdet ihr euch selbst schätzen. Und wir können dem Disstress die Chance geben, sich zum Eustress zu mausern.