Ich bin ge“eustress“t. Und du? (Teil 1)

Stress – ein Dauerthema mit vielen Gesichtern

Manager sind gestresst, Schüler sind gestresst, Mütter sind gestresst, Studenten sind gestresst, Berufstätige sind gestresst. Viele sehen sich einem Dauerstress ausgesetzt und überhaupt haben wir alle das Gefühl, das Stress unser neuer, unwiderruflicher Dauerbegleiter ist. Aber was heißt Stress überhaupt?

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Eustress und Disstress (Dysstress)

Stress ist erst einmal eine Aktivierungsreaktion unseres Körpers. Ob diese Aktivierung für uns positiv oder negativ ist, hängt von unserer Bewertung der Stressauslöser und -faktoren ab. Richtig gehört. Das Empfinden von Stress ist zuallererst eine Frage der eigenen Wahrnehmung.

Eustress empfinden wir in der Regel nicht als Belastung – ist also quasi „guter“ Stress. Aufgaben, Pflichten und Ereignisse unter Eustress bewältigen wir mit Freude und Begeisterung. Ein gutes Beispiel: die eigene Hochzeit. Die Vorbereitungen sind meist anstrengend, mit Zeitdruck verbunden und auch emotional äußerst anspruchsvoll. Dennoch werden die Mühen nicht als belastend oder gar schädigend angesehen. (Ich hoffe sogar, im Gegenteil.)

Und was es im privaten Bereich gibt, kann es durchaus auch im beruflichen Umfeld geben. Manchmal wachsen wir bei diesen durchaus mit Anstrengungen verbundenen Tätigkeiten über uns hinaus. Erfolgreich abgeschlossene Verhandlungen und Projekte, überzeugte Kunden oder positives Feedback nach erfüllten Aufgaben – all das sind Beispiele, deren Vorbereitung und Umsetzung für uns im Nachhinein nicht als negativer Stress in Erinnerung bleiben. Einer der Hauptschlüssel, damit sich Stress nicht belastend auf uns auswirkt, sind also Komplimente, Wertschätzung und eine positive Kommunikationsweise. Dazu können wir in aller Regel auch selbst etwas beitragen.

Womit wir es aber (scheinbar) weitaus mehr zu tun haben ist der sogenannte Disstress – der negative Stress. Diese Art von Stress beeinträchtigt unser seelisches, psychisches und körperliches Wohlempfinden. Auslöser sind meist finanzielle, berufliche und familiäre Sorgen, die durch Zeit- und Erfolgsdruck, Anforderungen von einem und an einen selbst sowie durch gesellschaftliche Erwartungshaltungen stetig gefüttert werden. Disstress führt langfristig zu körperlichen und psychischen Erkrankungen. Erste Symptome sind Gereiztheit, Kopf- und Nackenschmerzen, ein gesteigertes Kälteempfinden, Lustlosigkeit oder Sodbrennen. Über einen längeren Zeitraum kann es zu ernsthaften Krankheitsbildern wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burnout und Depressionen kommen.

Stressauslöser

Auslöser für negativen Stress gibt es also zahlreich. Diese können von sehr kurzfristiger Natur sein wie „Bus verpasst“ oder „Im Stau stehen“. Solche alltäglichen Ärgernisse sind eher vorübergehend und bleiben in der Regel oder Konsequenzen. Grundsätzlich können wir zwischen 4 Stressor-Typen unterscheiden:

  • Physikalische Stressoren sind Hitze, Kälte oder Lärm.
  • Körperliche Stressoren umfassen Schmerzen, Erkrankungen, Durst oder Müdigkeit.
  • Zu den mentalen Stressoren gehören die persönlichen externen oder internen Anforderungen wie Zeitdruck, Prüfungssituationen, Ängste und Überforderung
  • Schlussendlich zählen zu den sozialen Stressoren alle zwischenmenschlichen Konflikte wie Trennungen, Streit, Einsamkeit, Konkurrenzgedanken und Verluste bzw. Verlustängste.

Stichwort Selbstbild

In den meisten Fällen sind es die persönlichen Denk- und Verhaltensmuster, die uns „gestresst“ sein lassen – also wie wir die Stressoren empfinden, bewerten und mit ihnen umgehen. Der Umgang mit „Herausforderungen“ hat auch etwas mit dem Selbstbild zu tun. Oder einfach ausgedrückt: wer nichts von sich hält, wird Herausforderungen schlechter meistern als jemand, der sich für gut befindet. Und das ist meiner Meinung nach heute der beste und effektivste Ansatzpunkt zur Bewältigung von Stress. Denn Stress – da können wir sicher sein – lässt sich nicht einfach abschalten und wird immer Bestandteil unseres Alltages sein. Also lasst uns gut mit uns umgehen.

Wie ein gutes Selbstbild für mehr Stressresilienz von uns gefüttert werden, erfahrt ihr im zweiten Teil.