Raw Food – früher hieß es einfach nur Rohkost

Das Wort Rohkost hat wohl jeder schon mal gehört. Aber Raw Food? Klar, das klingt viel imposanter und trendiger. Ist aber das Gleiche.

Bei genauerem Hinsehen handelt es sich also nicht um einen neuen „Food-Trend“ oder einen neuen Lifestyle, sondern um ein in den Medien immer mal wieder aufploppendes Ernährungskonzept, nach dem sich zum Beispiel Nena oder Sting ernähren sollen. Schnell ist der Grundsatz erklärt: es wird nichts gekocht. Alles wird pur genossen.

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Die Anhänger erklären mir im Internet, dass Vitamine und verdauungsfördernde Enzyme ab 46°C zerstört werden. Deswegen kommen nur frisches Obst und Gemüse, unbehandelte Nüsse, Samen und Sprossen sowie kaltgepresste Öle auf den Tisch. Selbst Trockenfrüchte sind zuvor erhitzte Industrieprodukte und zählen damit zu den NoGos. Wer das durchhält, soll sich besser, frischer und energiegeladener fühlen. Die Haut wird reiner – das Gewissen auch (es sei denn, auch Fisch und Fleisch werden roh verzehrt). Und die Pfunde sollen auch schnell purzeln – eines der Hauptargumente für diese Ernährungsform.

Wer sich durch die Internet-Foren wühlt, bemerkt schnell, dass es sich einfacher anhört, als es ist. Die Frage, die sich mir vordergründig stellt: wo bekomme ich genug Eiweiß und Fett her, um richtig satt zu werden? Ja gut, Nüsse sind auf der Ok-Liste – aber auch nur, wenn diese nicht heiß behandelt wurden. Und was mache ich als Nuss-Allergiker? Eine Idee habe ich: Linsen über Nacht einweichen lassen. Auch Sonnenblumenkerne liefern Energie, Fette und Eiweiß. Dann verlässt mich auch schon meine Kreativität.

Ob es was bringt? Keine Ahnung. Wer sich intensiv damit auseinandersetzt, braucht vermutlich keine Angst vor Mangelerscheinungen zu haben. Als schnelle Diät, um ein paar Pfunde zu verlieren, ist es sicherlich weniger geeignet. Die Gefahr einer Unterversorgung mit bestimmten Mineralstoffen, essenziellen Fettsäuren sowie Aminosäuren scheint mir angesichts einer „Ich mach mal schnell ´ne Diät“ doch gegeben.

Für mich persönlich kommt diese Form der Ernährung jedenfalls nicht in Frage. Erstens mag ich warmes und heißes Essen – insbesondere im Winter. Zweitens wäre mir die Auswahl an Lebensmitteln zu klein. Außer Obst – was ich schon aufgrund des hohen Gehaltes an Fruchtzucker eher selten verspeise – kann ich nichts unbekümmert essen. Aber Gemüse höre ich schon als Gegenargument. Stimmt: Gurke, Tomate, Radieschen, Zucchini, Kohlrabi und Möhren fallen mir da ein. Aber Blumenkohl, Brokkoli, Weißkraut, Erbsen, Bohnen und Linsen roh essen? Never. Diese Gemüse sind gegart einfach verträglicher. Wer meint eigentlich ernsthaft, dass sich Pflanzen gegen Fraßfeinde nicht mit der Bildung unverträglicher Substanzen schützen können, die erst durch Zubereitungen wie das Fermentieren oder Kochen inaktiviert werden? Und rohe Gartenbohnen sind sogar ungenießbar, um nicht das Wort giftig zu verwenden.

Auf Milch und Milchprodukte, Eier und Fisch müsste ich auch verzichten. Beim Gedanken an ein rohes Ei oder einen rohen Karpfen wird mir schon ganz anders. Aber in gegarter Form sind das die wesentlichen Energieträger in meinem Essen. Ich würde gern jemanden treffen, der nach und von „Raw Food“ lebt und mir erklärt, wie er schmackhaft täglich auf 2.000 kcal kommt. Mit Ananas vielleicht? Klar, es kommt auf die intelligente Kombination verschiedener Lebensmittel an. Somit sind für mich die Pro-Argumente und die angeführten Vorteile einfach nicht überzeugend genug, zumal ich mich auch non-raw sehr wohl in meiner Haut fühle und zudem sehr gern koche.