Wenn schon frühstücken, dann aber richtig.

Die Frage, ob man denn eigentlich Frühstücken soll, wird immer wieder heiß diskutiert. Es gibt ja den allseits bekannten Spruch: „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittag essen wie ein König und zu Abend essen wie ein Bettler.“ Aber ganz ehrlich – der Spruch ist weder zeitgemäß, noch lässt sich die Erkenntnis durch die Stoffwechselforschung in Zement meißeln. Klar gibt es Argumente dafür, genauso aber dagegen. Ich habe mal ein paar Pro`s und Contra`s zusammengefasst.

spiegelei

Pro Argumente

Man nimmt sich Zeit, um sich etwas Gutes zu tun. Der eine verbringt wertvolle Minuten mit seinem Partner/ mit seiner Familie, der andere weiß über das aktuelle Weltgeschehen nun wieder bestens Bescheid und der nächste startet befriedigt in den Tag, einfach weil er keinen Hunger mehr hat.
Je nach Hormonlage (beeinflussend sind die Konzentrationen an Melatonin, Stresshormonen bzw. Adrenalin/ Noradrenalin und Schilddrüsenhormonen) bringen einige Menschen ihren Kreislauf erst mit einem mehr oder weniger ausgiebigen Frühstück in Schwung – die beste und zudem notwendige Voraussetzung, um leistungsfähig zu sein.
Auch wenn es die Arbeitsbedingungen nicht anders zulassen oder wir erst eine gewisse Strecke im Auto zur Arbeit hinter uns bringen müssen, kann ein Frühstück richtig und wichtig sein.

Contra Argumente

Warum soll ich eigentlich essen, wenn ich keinen Hunger habe? Je nach Hormonlage kann es auch sein, dass einige Menschen mit einem Frühstück ihren Insulinspiegel in die falsche Richtung trimmen, in dessen Folge sie 2 Stunden später schon wieder essen wollen (das gipfelt darin, wenn jemand morgens nach 10 Uhr mit aller Inbrunst nach „Schwein auf Toast“ verlangt). Für bestimmte Berufe (Schichtarbeiter etc.) hingegen kann das Frühstück – zum Beispiel nach der Nachtschicht – zu einem qualitativ schlechteren Schlaf führen. Doch wie finde ich heraus, ob ich frühstücken sollte oder nicht?

Ob der morgendliche Imbiss zu mir passt oder nicht, hängt nicht von irgendwelchen Stoffwechselgesetzen, veralteten Bauernregeln oder Frauenzeitschriften ab, sondern von individuellen Faktoren, wie beispielsweise

  1. Wache ich mit Hunger auf?
  2. Passt Frühstück in meinen Tagesablauf, zu meinen Anforderungen und zu meiner Tätigkeit? Stimmt die Balance über den gesamten Tag?
  3. Ist Frühstücken vielleicht für meine sozialen Bedürfnisse wichtiger als für meinen Energiehaushalt? Dann sollte ich lieber kleine Portionen essen…
  4. Wie verläuft meine Tages-Leistungskurve?
  5. Brauche ich das Frühstück, um richtig in Schwung zu kommen?
  6. Bin ich „nervenstärker“ und resilienter, wenn ich ordentlich gefrühstückt habe?

Es gibt auch Gründe, die nicht dafür herhalten sollten, auf das Frühstück trotz Magenknurren und latentem Leistungstief zu verzichten, z.B.:

  • Dann spare ich mir schon einige Kalorien.
  • Dafür habe ich einfach keine Zeit.
  • Ich esse lieber nachher im Auto.
  • Ich gehe lieber nachher zum Bäcker und hole mir was Leckeres.

Ergo: Ich muss es an mir selbst testen, ob Frühstücken für mich gut ist oder nicht. Das steht in keinem noch so guten Lehrbuch oder Ratgeber. Wenn du aber frühstückst, dann solltest du es auch bewusst tun, dir Zeit dafür nehmen, das Richtige für dich frühstücken und es genießen.

Bleibt noch die Frage übrig, WAS ich denn nun frühstücken soll. Oftmals soll es morgens möglichst schnell gehen, es soll lecker sein und es soll lange satt machen. In Deutschland heißt Frühstück aber oft Müsli mit Milch beziehungsweise Joghurt oder ein Brötchen mit Nutella oder Marmelade. Wen wundert es da, dass um 11 Uhr schon wieder der Magen knurrt?

Die Erklärung ist denkbar einfach. Müsli, insbesondere zuckerreiche Fertigmüslis oder Cornflakes und Brötchen enthalten schnell verwertbare Kohlenhydrate. Diese schießen rasant ins Blut und lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen. Ein hoher Blutzuckerspiegel heißt aber auch immer, dass eine Menge Insulin benötigt wird, um den Zucker wieder aus dem Blut zu entfernen. Dies beansprucht bei schnell verwertbaren Kohlenhydraten nicht viel Zeit. Jedenfalls zu wenig Zeit, um bis 13 Uhr zum Mittagessen ohne knurrenden Magen auszukommen. Wer dieses Dilemma kennt, hat nun 2 Möglichkeiten: Zum einen kannst du zwischendurch zu einem Imbiss greifen. Dieses Verhalten führt über kurz oder lang zum Snacking – also mehrere Zwischenmahlzeiten über den Tag verteilt. Das ist nicht nur aufgrund der hohen Kalorienzufuhr vor allem für Schreibtischtäter problematisch, die sich insgesamt wenig bewegen.

Die zweite Möglichkeit bietet hingegen eine andere Art von Frühstück, wie beispielsweise Rührei mit Tomaten,Champignons, Zwiebeln und Schinkenspeck oder Käse. Denn hier ist statt schnell verdaulichen Kohlenhydraten sättigendes Eiweiß und Fett sowie Ballaststoffe enthalten. Diese locken kaum das Hormon Insulin und machen zudem länger satt. Und schmecken tut´s den meisten doch auch, oder? Auch ein selbstgemachtes Müsli aus Nüssen und Haferflocken oder ein griechischer Joghurt mit Blaubeeren und Walnüssen liefert den optimalen Energiekick für das Gehirn sowie den Körper und bringt gleich eine ordentliche Portion Nährstoffe mit.

Je nachdem mit welcher Magenstimmung ich morgens aufstehe und was mir dann besonders mundet, habe ich verschiedenste Möglichkeiten, ein gutes Frühstück zu genießen. Und für diejenigen, die wirklich mal keine Zeit haben, bleibt immer noch die Möglichkeit eines Bulletproof Coffee. Doch mehr dazu im nächsten Beitrag.