clean eating – ein vielversprechender Ernährungstrend aus den USA?

Cleaneating heißt ein neuer Ernährungstrend aus den USA mit täglich dutzend neuen Posts auf Instagram sowie Twitter, was auf eine schnell wachsende Fangemeinde schließen lässt.

Doch was heißt eigentlich clean eating? Frei übersetzt handelt es sich um sauberes Essen. Darunter stelle ich mir erst einmal möglichst natürliche Lebensmittel vor. So weit, so gut. Das Wichtigste aber ist: clean eating ist keine Diät, sondern eine Lebensphilosophie. Das Konzept zielt auf eine langfristige Ernährungsumstellung mit bewusster Lebensmittelauswahl und bewusstem Essen. dip-komposition-6

Sauberes Essen ist vielleicht nicht die beste Übersetzung, trifft es aber im Kern. Es geht um möglichst unverarbeitete Lebensmittel ohne den Zusatz von Konservierungsmitteln, Süßstoffen oder anderen Zusätzen und Aromen.

Das Konzept verspricht zwar eine einfache Umsetzung ohne Kalorien zählen, Punkte sammeln, Nährwerte berechnen oder Ähnlichem, ist dann aber doch nicht ganz so leicht in den Alltag zu integrieren wie gern behauptet. Last but not least kommt auch dieses Konzept nicht ohne eine ganze Reihe von Regeln bzw. Empfehlungen aus. Der Großteil davon ist wissenschaftlich nachvollziehbar, ein paar Sachverhalte sehe ich jedoch etwas differenzierter. Aber verschaffen wir uns erst mal einen Überblick.

Die Do’s sind

  • 5-6 Mahlzeiten täglich
  • ein ausgiebiges Frühstück
  • mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse täglich, möglichst viel Rohkost
  • ausschließlich Vollkornprodukte
  • Grüne Smoothies
  • mindestens 2,5 Liter Wasser, grüner Tee und stark verdünnte Obstschorlen
  • möglichst biologische, regionale und saisonale Lebensmittel
  • kaltgepresste, native Pflanzenöle
  • frische Kräuter und Gewürze
  • täglich eine Handvoll Nüsse und Samen
  • frische Pilze
  • mehrmals in der Woche Fisch, möglichst aus nachhaltigem Fang

Die No Go`s sind hingegen:

  • Fertigprodukte
  • Zusatzstoffe, Süß- und Zuckeraustauschstoffe
  • Fleisch und Wurst – aber wenn dann nur aus nachhaltiger Landwirtschaft
  • Milch, Milchprodukte und Eier, die nicht aus biologischer Landwirtschaft sind
  • Transfette

Das Konzept ist durchdacht und hat viele gute Ansätze. Grundsätzlich entsprechen die Empfehlungen einer abwechslungsreichen, nahrhaften und vollwertigen Ernährung. Wer auf industriell hoch verarbeitete Produkte verzichtet, macht schon verdammt viel richtig. Auch der nachhaltige Ansatz in Bezug auf den Schutz von Umwelt, Tier und Mensch kommt in den meisten Konzepten zu kurz und bekommt hier von mir einen klaren Pluspunkt. Wie weit der Einzelne dabei gehen mag, sollte aber jedem selbst über lassen werden. Wer hier zu schnell den Finger erhebt, riskiert von vornherein eine ablehnende Haltung dem gesamten Konzept gegenüber. Ich habe auch langsam angefangen: mit dem Verzicht auf Plastiktüten an der Supermarktkasse. Und ich bin noch längst nicht am Ziel angekommen. Zwar bin ich mittlerweile auf fair trade-Kaffee und Fisch aus nachhaltigem Fischfang umgestiegen und ich esse auch nur noch sehr wenig Fleisch und bevorzuge in vielerlei Hinsicht regionale und saisonale Produkte. Aber auch mir ist klar, dass da noch viiiel Luft nach oben ist. Dennoch bin ich der Ansicht, dass ein langsamer Fortschritt besser ist als kein Fortschritt und dass jeder seine eigene Geschwindigkeit finden muss. Aber genug dazu.

Was mir persönlich nicht so gut gefällt, ist die uneingeschränkte Empfehlung von Rohkost, Obst und Vollkornprodukten. Ersteres wird nicht von allen gut vertragen. Und Blumenkohl oder Brokkoli roh zu verzehren, halte ich zudem geschmacklich nicht für besonders wertvoll. Eventuell habe ich gerade auf diesen Punkt bezogen aber schlichtweg das falsche Buch gelesen. Obst indes wirkt als Appetitanreger und beinhaltet zudem viel Fruchtzucker. Fruchtzucker nehmen wir heute deutlich zu viel zu uns, was unsere Leber zur unnötigen Fettbildung animiert und damit den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigen kann. Und Vollkornprodukte belasten den Blutzuckerspiegel und sind aufgrund einiger darmschädigender Inhaltsstoffe nicht in hohen Mengen zu empfehlen. Auch Gluten ist ein Problemstoff – selbst wenn ein respektabler Prozentsatz der Glutenunverträglichkeiten keiner korrekten Diagnose zugrunde liegt.

Insgesamt aber macht das Konzept auf mich einen guten Eindruck. Die eine oder andere Empfehlung werde ich sicherlich in meine Vorträge und Workshops aufnehmen. Doch auch hier bleibt festzuhalten: jeder sollte im Eigenversuch überprüfen, inwieweit ihm die Ernährung liegt und gut tut. Wer sich beispielsweise wenig bewegt und erste Stoffwechselstörungen aufweist, sollte mit der hier empfohlenen Zufuhr an Kohlenhydraten eher sorgsam umgehen.