Warum jede „Diät“ funktionieren kann

Gerade habe ich einen Artikel der Huffington Post gelesen, in dem ein Mann unter einer “McDonalds” Diät deutlich an Gewicht verlor. Klar, dass diese Geschichte jetzt eine große mediale Runde dreht. Aber ist das wirklich realistisch? Können wir wirklich von Burgern, Pommes und Co so viele Kilos verlieren?

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Eins vorweg: ich habe die genauen Hintergründe der Geschichte nicht in Erfahrung bringen können und daher sind mir dir genauen Details auch nicht bekannt. Aber ja, unter bestimmten, nicht ungewöhnlichen Umständen ist so ein Ergebnis durchaus denkbar. Wir vergessen nur zu gern, dass zum Abnehmen weitaus mehr Faktoren eine Rolle spielen als die reine Nährstoffzusammensetzung. Und nach wie vor gibt es physikalische Gesetze, denen die Verteilung von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten herzlich egal ist: die Gesetze der Energie und der Kalorien. Das was rein geht, muss auch verbrannt werden – um es mal ganz lapidar auszudrücken. Das funktioniert immer noch bei sehr vielen Menschen sehr gut (wenn auch nicht bei allen). Und auch nach dem Bericht hat sich der Mann an (s)eine tägliche Energiezufuhr von etwa 2.000 kcal gehalten.

Abnehmen können wir also mit fettarmen oder mit kohlenhydratarmen Gerichten, mit Dinner Cancelling oder mit FDH (Friss die Hälfte), mit Fasten oder mit Weight Watchers, mit der Hollywood-Diät oder mit Paleo. Wie müssen lediglich darauf achten, dass wir den für uns zutreffenden Kalorienbedarf nicht überschreiten, uns im Idealfall etwas bewegen und den jeweiligen Regeln der Diät wirklich folgen. Aaaaber: wie lange halten wir das wohl durch? Wie lange können und wollen wir auf Brot, Nudeln und Kartoffeln bei einer low carb-Ernährung verzichten? Wie lange schaffen wir es, nach 18 Uhr nichts mehr zu essen? Wie lange ertragen wir in Wasser gebratenes Fleisch oder zwischen den Zähnen quietschenden Light-Käse? Können wir uns vorstellen, die nächsten 10 Jahre von Kohlsuppe zu leben? Oder wollen wir uns ein Leben lang die Schokolade verweigern? Und wie schnell werfen wir doch alle Regeln über Bord, wenn wir uns nur einmal an eine einzige nicht gehalten haben?

Die Gründe, warum so viele Diäten nicht funktionieren, liegen unter anderem darin, dass wir uns so ein einschränkendes Ernährungsleben auf Dauer nicht vorstellen können. Und das wir das Prinzip “Entweder ganz, oder gar nicht” fahren. Von der Qualität des Abnehmens unter kuriosen Diäten will ich gar nicht erst anfangen. Wo bleibt der Genuss, wo bleibt die Freude beim Essen, wo das gesellschaftlich-gemeinschaftliche Schlemmen und was ist mit den vielen vielen Verlockungen, denen wir quasi täglich ausgeliefert sind?

Wenn ich langfristig etwas ändern will, werde ich nicht umhin kommen, mir eine “Ernährungsform” zu suchen, die zu mir und meinen Vorlieben passt, die sich in meinen Alltag integrieren lässt und bei der ich nicht auf alles verzichten muss, was mir schmeckt. Klar, gewisse Kompromisse werde ich eingehen müssen, werde mich in Achtsamkeit üben und die Gründe für meine Essgewohnheiten herausfinden müssen. Erst wenn ich mich und meine Essmuster verstanden habe,  werde ich meine eigenen Regeln aufstellen können, um dauerhaft ohne das absurde Verzichtsgefühl essen und genießen zu können. Dann brauche ich mich nicht strikt an irgendwelche Diätregeln zu halten und fühle mich trotzdem wohl in meiner Haut. Aber das ist eben die Königsdisziplin: herauszufinden, was mir wie oft und wann gut tut und zu erkennen, was mir nicht gut tut.

Deshalb gibt es eine Empfehlung, der wir alle folgen sollten: “Glaubt nicht blind jeder Ernährungstheorie, sondern unterzieht jede einzelne einer persönlichen Prüfung.”