High Performance Food: Kokosöl

Kokosöl führte unter den Fetten lange ein Schattendasein und wurde aufgrund des Gehalts an gesättigten Fettsäuren sogar von der Empfehlungsliste gestrichen. In den letzten Jahren aber zeigte sich, dass die in Kokosöl enthaltenen MCT-Fette zahlreiche positive Wirkungen auf unser Gehirn und unseren Körper haben.

kokosfett-2

Hintergrund

MCT-Fette bestehen aus sogenannten mittelkettigen Fettsäuren. Diese haben im Vergleich zu anderen Fettsäuren einen großen Vorteil: zur Verdauung, Aufnahme und Verwertung im Körper benötigen diese Fettsäuren weder fettspaltende Enzyme noch Gallensäuren. Das entlastet die Leber und den Stoffwechsel. MCT-Fette werden dann im Zuge der Verdauung in Ketonkörper umgewandelt. Ketonkörper ihrerseits können als Energielieferanten für Herz, Muskulatur und Gehirn dienen. Und: sie liefern nicht nur Energie, sondern wirken gleichzeitig auch neuroprotektiv – sie schützen also unsere Nervenzellen. Dieser Prozess ist etwas kompliziert – im Grunde aber fördern Ketonkörper die Regeneration und Genesung beschädigter Nervenzellen.

Ein paar Worte zur Biochemie

Zu den mittelkettigen Fettsäuren zählen Capronsäure, Caprylsäure, Caprinsäure und Laurinsäure. Diese gelangen wie bereits beschrieben direkt vom Darm zur Leber und dienen dem Organ als Treibstoff. Auch das Gehirn kann Ketonkörper verwerten. Sie fördern hier die Versorgung mit Sauerstoff und verbrauchen im Zuge der Energiebereitstellung sogar weniger Sauerstoff als der sonst genutzte Treibstoff Glukose. Im Übrigen ist es somit auch nicht richtig, dass wir auf Zucker als Energielieferanten für unser Gehirn angewiesen sind.
.
MCT-Fette erhöhen zwar den Cholesterinspiegel – insbesondere aber das (erwünschte) HDL-Cholesterin, so dass die Substanzen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher schützen als diese heraufzubeschwören. Auch sind die Fettsäuren in der Lage, die (unerwünschten) LDL-Cholesterin-Bestandteile zu vergrößern. Umso größer LDL-Partikel sind, umso geringer ist das Risiko für arteriosklerotische Gefäßschäden. Diese Gefäßschäden sind es auch, die langfristig zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen können. Laurinsäure wirkt zudem antibakteriell und antiviral – es kann also die Zellwände gesundheitsschädigender Bakterien und Viren zerstören. Caprinsäure wiederum hat den gleichen Effekt auf Schimmelpilze.

Des Weiteren wirkt Kokosöl entzündungshemmend, so dass es vor allem lokal auf Haut und Haar angewendet wird. Einige kennen eventuell auch das sogenannte Öl-Ziehen, bei dem Kokosöl im Mund hin- und her bewegt wird, um die Kariesbildung zu hemmen.

Kleine Warenkunde

Das bei uns erhältliche Kokosöl stammt meist aus Sri Lanka, Indonesien und Indien. Es gibt 2 verschiedene Herstellungsverfahren, wobei sich die Endprodukte in ihrer Qualität deutlich unterscheiden. Konventionell produziertes Kokosfett besteht aus gehärtetem Copra (auch Kopra, getrocknetes Kokosfruchtfleisch) mit wenigen verbliebenen Nährstoffen. Deutlich besser in der Qualität ist das ungehärtete Kokosfett mit vielen Nährstoffen, virgin coconut oil (VCO) genannt. Letzteres hält auch ungekühlt bis zu 2 Jahre und ist hitzebeständig.

Und was ist der Unterschied zwischen Kokoswasser und Kokosmilch? Kokoswasser ist der flüssige Inhalt der Kokosnuss (Stichwort Trinkhalm-in-Kokosnuss). Kokosmilch hingegen ist püriertes Fruchtfleisch mit warmem Wasser und anschließender Pressung. Über Nacht stehen gelassen würde sich das Fett wieder vom Wasser trennen und wir hätten nun das Kokosöl als festen Bestandteil. Auch Kokosöl ist bei Zimmertemperatur fest – die Bezeichnung Öl ist daher etwas irreführend.

Empfehlungen

Experten empfehlen täglich 3-5 Esslöffel Kokosfett. Dabei entspricht 1 Esslöffel Kokosöl etwa 4-5 Esslöffeln Kokosmilch (unverdünnt); 2-3 Esslöffeln Kokosraspeln oder 1 Stück frischer Kokosnuss von 5×5 cm. Kokosfett wird in der Regel gut vertragen. Es kann sowohl in der kalten als auch in der warmen Küche vielseitig eingesetzt werden und ist beispielsweise auch ein guter Ersatz für Butter, wenn man an einer Milchfett-Allergie leidet. Der Geschmack ist anfangs wohl etwas gewöhnungsbedürftig – zumindest war es bei mir so – aber mit der Zeit und richtig angewendet unterstützt der unverwechselbare Geschmack das Gesamtaroma der Mahlzeit, ohne diese zu „erschlagen“. Wer den Geschmack so gar nicht mag, kann auch auf Palmkernöl ausweichen. Das sind jedoch die beiden einzigen reichhaltigen MCT-Nahrungsquellen.

Ein Gedanke zu „High Performance Food: Kokosöl

  1. Pingback: Superfoods | Berufsspezifisches Ernährungscoaching

Kommentare sind geschlossen.