Ketogene Ernährung – Laborwissen: Vitamin D #Tag9

Vitamin D liegt schwer im Trend – zahlreiche Bücher wurden veröffentlicht, Supplemente auf den Markt gebracht. Die Medien wollen bei einem Großteil der Bevölkerung einen Mangel am Sonnenhormon ausmachen. Einige Experten sprechen sich sogar für eine flächendeckende Supplementation aus. Selbst ich als Supplement-Kritiker hatte schon ein schlechtes Gewissen, meinen Vitamin D-Wert bislang nicht einmal bestimmt zu haben. Ist das Hysterie oder berechtigtes Theater?

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Ich habe den Wert jetzt in der Ausgangsanalyse mit bestimmen lassen und glücklicherweise stehe ich mit 23 nmol/ l  nicht ganz so schlecht da. Aber was kann denn das fettlösliche Hormon nun so Besonderes? Vitamin D ist an einer Vielzahl von Prozessen im Körper beteiligt, wie die Abbildung zeigt.

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Die Hauptwirkungen liegen in den Knochen, im Darm, in den Nebenschilddrüsen und in den Nieren. Langfristig reguliert es die Kalzium- und Phosphatversorgung des Körpers und steuert damit auf der einen Seite die Struktur und Festigkeit der Knochen, auf der anderen Seite reguliert es den Blutdruck. Neuere Untersuchungen zeigten positive Wirkungen auf die Bauchspeicheldrüse (Steuerung der Insulinfreisetzung), die Muskelzellen, die Herzzellen sowie die Nervenzellen. Außerdem stimuliert es das Immunsystem und kämpft erfolgreich gegen Infektionserreger.

Der Körper nimmt zum einen Vitamin D aus der Nahrung auf, zum anderen kann er es selbst unter dem Einfluss von Sonnenlicht produzieren. Gesunde Erwachsene können so ihren Bedarf an Vitamin D bei ausreichender Einwirkung von UVB-Strahlen decken – aber nur ohne Sonnencremes, ohne Kleidung und im jungen Alter. Ansonsten wird es mit der Versorgung schon eng. Die Zufuhr mit der Nahrung hat eine noch geringere Bedeutung. Nur wenige Lebensmittel wie Butter, Milchprodukte, Pilze und Eier enthalten nennenswerte Mengen.

So ist eine Unterversorgung in unserer Bevölkerung relativ häufig anzutreffen. Hohe Werte treten sehr selten auf und sind in der Regel auf eine Überdosierung mit einem Vitamin D-Präparat zurückzuführen. Nebenwirkungen sind jedoch selten. Niedrige Werte können auch auf verschiedene Rahmenbedingungen zurückzuführen sein wie eine mangelnde Sonnenexposition, bestimmte Lebererkrankungen oder Schwangerschaft und Stillzeit.

Was bleibt ist die Möglichkeit einer Supplementation. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Denn die Wissenschaft ist sich nach wie vor nicht einig, ob eine zusätzliche Zufuhr von Vorteil ist oder nicht. So zeigen Untersuchungen auch, dass selbst hohe Blutspiegel nicht zwangsläufig mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind. Ob die Wissenschaft immer richtig liegt, ist schwierig zu beurteilen. Ich halte mich da lieber an den gesunden Menschenverstand und halte es für mich persönlich so:

Liegt mein Blutwert über 30 nmol/ l ist definitiv keine Supplementation notwendig. Liegt mein Wert unter 20 nmol/l würde ich wohl versuchen, vermehrt in die Sonne zu gehen; unter 10 nmol/ l würde ich mir eine Supplementation überlegen. Bei Werten zwischen 20 und 30 nmol/ l würde ich mich nur dann für eine zusätzliche Zufuhr entscheiden, wenn meine persönliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Vitamin D scheint unter Stress und bei Erkrankungen oder genetischen Veranlagungen für Erkrankungen schneller verbraucht zu werden als bei „Ungeplagten“. Auch Müdigkeit, Abwehrschwäche und Abgeschlagenheit können durch zu wenig Vitamin D gefördert werden bzw. können durch die Gabe gelindert werden. Das würde ich dann persönlich abwiegen und entscheiden.

Fakt ist: viel hilft nicht immer viel. Eine Supplementation sollte immer die persönlichen Gegebenheiten berücksichtigen und sorgfältig abgewogen werden.